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DER DUFT DES KAFFEES - Die Geschichte einer Verschwörung von Gerhard J. Rekel; DTV-Premium Großformat;  260 Seiten; 14 €

Vom Duft, der Orient und Okzident verbindet.

Äthiopische Hochlandsorte oder columbianische Schlechtwetterernte? Blitzschnell erkennt Hans Brionis Zunge, ob es sich um edelste Bohne handelt. Die Leidenschaft des Besitzers einer Privatrösterei gilt ganz dem Wein des Orients. Plötzlich aber verändert ein Anschlag mit vergifteten Bohnen Brionis Leben. Eine junge Fernsehjournalistin verdächtigt den verschrobenen Kleinröster und taucht nun ein in seine Welt, um hinter seine Maske blicken zu können. Dabei entdeckt sie die Magie eines Tranks, der immer wieder überrascht, und wird eingeweiht in die Geheimnisse einer Kaffeezeremonie. Bald führt die Jagd nach den Drahtziehern des Anschlags das ungleiche Paar quer durch Mitteleuropa - von Berlin nach Wien, die Stadt der Kaffeehäuser.

Ein Roman über verlorene und wiedererwachende Gefühle, über eine turbulente Vater-Sohn Beziehung und über die historische Bedeutung des Kaffees seit der Französischen Revolution.

Die Auslieferung an den österr. Buchhandel erfolgt anlässlich des „Tag des Kaffees“ am 1. Oktober 2005 in Österreich bereits zu diesem Datum.

In Wien, Berlin und Zürich wird das Buch mit äthiopischen Kaffeezeremonien vorgestellt (siehe AKTUELLES).

Um Interessierte mit weiterführenden Informationen (Lesungstermine etc.) zu versorgen, bitten wir nach Möglichkeit bei Rezensionen die HP-Adresse www.DerDuftdesKaffees.de anzugeben. Herzlichen Dank!

Gerhard J. Rekel, 1965 in Graz geboren und aufgewachsen, studierte an der Wiener Filmakademie bei Axel Corti. Danach unternahm er ausgedehnte Reisen durch China, Indien und Südamerika. Er ist Absolvent der Drehbuchwerkstatt München und lebt seit 1997 in Berlin. G. Rekel schrieb Romane („Revanche“, 1996; „Hahnenkampf“, 1999) und TATORT-Krimis („Hahnenkampf“, 1997; Zartbitterschokolade“, 2002), verfasste Dokumenationen für ARTE, ORF, 3Sat. Zuletzt wurde eines seiner Theaterstücke „Machiavellis Masseuse“ (2004) von einer Jury des Thalia-Theaters Hamburg zu einem der besten vier Nachwuchstücke gekürt.

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Der Stoff

Ein Roman über ein Getränk, das fast jeden von uns täglich tröstet, erwärmt, anregt. 352 Fachbücher existieren zum Thema, aber kein fiktionales Werk, das Geschichte und Wirkung dieses Elixiers beleuchtet.

Im Zentrum des Romans steht die historische Rolle des Kaffees, denn der Trank hat ein dunkles Geheimnis: Kaffee ist ein Aufwiegler, eine Droge der Revolution!

Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg, Französische Revolution oder das Aufbegehren gegen Metternich – immer boomte kurz zuvor Kaffee und Kaffeehaus. Ein Zufall?

Auch heute ist Kaffee der meistgetrunkene Schmierstoff des Geistes in der westlichen Hemisphäre ist.

Im ersten Kaffeehaus in Konstantinopel saßen Juden, Christen und Muslime nebeneinander, dichtgedrängt, um den DUFT DES KAFFEES zu genießen. Später hat das Kaffeehaus maßgeblich zur Auflösung des Ständestaates beigetragen, und zwar so intensiv, dass viele Konservative den Tempel der geistigen Erbauung verbieten lassen wollten - doch es war bereits zu spät: das auch heute noch meistgehandeltste Gut nach Erdöl trat seinen Siegeszug an, erst in Europa, dann in der ganzen Welt.

Der Fall 

Mehrere Anschläge auf einen marktführenden Kaffeekonzern, dessen Billigmarke vergiftet wird. Die Folge: Kaffeetrinker landen mit lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen im Krankenhaus. Die Polizei tappt im Dunklen. Der verschrobene Kaffeeliebhaber Hans Brioni und die unerfahrene Fernsehjournalistin Agathe Weidinger verfolgen auf eigene Faust die Spur der Täter, die einen hinterhältigen Plan in die Tat umsetzen ...

Der Protagonist

Hans Brionis Ziel war Frieden. Mit sich und der Welt. Er suchte nicht nach einer Zufriedenheit wie koptische Mönche sie anstreben, die allen materiellen, menschlichen und unterhaltenden Bedürfnissen entsagen, vielmehr suchte er nach einem Zustand der Gelassenheit: Loslassen. Vorbeilassen. Zulassen. Er konzentrierte sich auf das Erreichbare, das Detail, die kleine Verzückung des Alltags. Er untersuchte die meditative Kraft des Ostens und den Pragmatismus des Westens, schließlich entdeckte er den Süden. Für Brioni waren die Italiener Meister der Verzückung, denn sie haben erkannt: Die Kunst des Lebens hängt vom Rhythmus ab. Der Rhythmus wird durch die Pause geprägt, bei der Arbeit, im Konzert und in der Liebe. Um den Alltag zu durchbrechen, erfanden die Italiener schwarze Inseln und tauften sie Espresso - schnelles Glück durch Sehen, Riechen und Schmecken. Vor den Augen des Gastes wird frisch gemahlen, frisch aufgebrüht und rasch serviert. Nur so lebt das Aroma, nur so ist die Crema zu schmecken, nur so erreicht uns der Duft. Im Gegensatz zu den Kaffeesitten anderer Länder, wo die halbvollen Kannen stundenlang warm gehalten werden, das Aroma längst verflogen und die Brühe verbrannt ist und das Getränk nur als Aufputscher auf dem Weg zu einer unbestimmten Glückshoffnung in weiter Ferne dient. Brioni hatte das Steuer herumgerissen und die Verfeinerung des schnellen Glücks zu seinem Beruf gemacht. Er verinnerlichte die Ideen Epikurs, wonach ein Glückszustand anzustreben sei, der von der äußeren Situation völlig unabhängig zu sein hat. Jetzt, wo sein Sohn in Lebensgefahr schwebte, gelang es ihm nicht.

Die Zeit

Brioni las und schluckte. Unter der Rubrik „Täglich langsamer“ forderte der Verein zur Verlangsamung der Zeit jedes Mitglied auf, der sinnlosen Beschleunigung entgegenzutreten. Jeder sollte seine Fähigkeiten zur Effektivität einsetzen, um richtig ineffektiv zu sein. Für Anfänger wurde vorgeschlagen: Spätaufstehen, bewusste Unpünktlichkeit, Boykott von beschleunigenden Produkten. Das war nach Brionis Geschmack, er verachtete Schnellimbisse, Sekundenkleber und Mikrowellenherde, er mißtraute allem, was schnell löslich, fix und fertig oder to take away war. Zur Vertiefung empfahl der Verein: Langsames Kochen, bis man den Hunger spürt. Drei Tage Leben ohne Fernsehen, Handy und Rasen auf der Datenautobahn. Vier Wochen ohne Arbeitsessen – denn wer weiß nachher schon, was er gegessen und wie es geschmeckt hat? Tantras, die darauf abzielen, den Koitus zu entschleunigen und den Orgasmus hinauszuzögern. Hätte Brioni nicht den Verdacht gehabt, der Verein könnte mit der Kaffeeerpressung in Zusammenhang stehen, er wäre sofort beigetreten.

Der Kaffeekenner und die Teeliebhaberin

Agathe hatte dem Kaffee abgeschworen, ihr Magen hatte revoltiert, die Hausärztin eine Gastritis festgestellt. Seither trank sie Tee, der Druck im Magen verschwand, auch das Sodbrennen. Hans Brioni bestellte Espresso und deutete auf das rote Schild: „Der ist vollmundig, seidig, fruchtig, sehr harmonisch.“ 

Sie lächelte zum Kellner. „Earl Grey bitte. Ein Kännchen.“  

Ein wenig pikiert sah Brioni sie an. 

„Von Kaffee wird mir schlecht.“  

„Von Kaffee?“ 

Sie nickte. 

„Von einem guten Kaffee wird Ihnen nicht schlecht!“

„Und was ist ein guter Kaffee, Herr Sachverständiger?“

„Die besten Arabica-Bohnen gedeihen in einer Höhe von über 1000 Meter. Je höher das Anbaugebiet, umso langsamer wachsen die Pflanzen. Je mehr Zeit die Bohnen haben, umso eleganter das Aroma und umso feiner die Säure. Nur eine langsame Entwicklung führt zu erlesenem Inhalt!“

Sie brauchte seinen Fetisch bloß anzutippen und er war nicht mehr zu halten. Der Kellner brachte ein Kännchen Earl Grey und eine Tasse Espresso. Eine dunkle, rostbraune Crema sammelte sich am Innenrand der Espressotasse, in der Mitte hatte sich ein schwarzes Loch gebildet.

Sie blickte Brioni neugierig an: „Darf ich?“

„Besser nicht.“

Verwundert schaute sie ihn an, nippte trotzdem und verzog das Gesicht.

„Dachte ich mir“, sagte er, „eine dunkelbraune Crema bedeutet viel Robusta, das schwarze Loch eine Überextraktion. Das kann nichts werden. Herb, wenig Körper, adstringent.“

„Haben Sie diesem Kaffee nicht andere Eigenschaften zugeordnet, fruchtig, seidig und so?“

Er nickte.

„Soll das heißen, da ist nicht drinnen, was ...“

Er schob den Espresso zur Seite und bestellte Earl Grey.

„Was ist nun also eine Kaffeezeremonie?“

Unsicher musterte er sie, war ihr Interesse ehrlich?

Kurzum

Erzählt wird die Geschichte eines exzessiven Kaffeeliebhabers, der in einen Anschlag auf das Lieblingsgetränk der Europäer verwickelt wird. Im Duft des Kaffees geht es um Fragen wie: Was löst Kaffee in uns aus? Wie beeinflussen Duft, Geschmack und Koffein unsere Sinne, unsere Beziehungen, unser Denken? Gestern und heute, privat und politisch.